
Bereits im Vorfeld der UNESCO-Entscheidung hatte sich der Freistaat Bayern auf Weißenburg als Standort des zentralen Vermittlungs- und Informationszentrums festgelegt. Es war sicherlich keine Überraschung, galt unsere Stadt doch mit seiner Fülle an römischen Relikten und ihrer Bereitschaft, diese zu pflegen und zugänglich zu machen, längst als einziger dafür in Frage kommender Standort.
Eine erste große Welle der Begeisterung war mit der Entdeckung des Römerkastells am Ende des 19. Jahrhunderts zu beobachten. Als wichtiger Standort am Obergermanisch-Raetischen Limes bestand knapp 7 km südlich der Grenzlinie das Weißenburger Alenkastell. Seine wechselhafte Geschichte reicht von der Anlage eines Holzkastells Anfang des 2. Jahrhunderts über die Vergrößerung und den Steinausbau um die Mitte des 2. Jahrhunderts bis zur Zerstörung durch einen Germaneneinfall im Frühjahr 254 n. Chr.. Mit ihr ging wohl auch die ausgedehnte Zivilsiedlung unter, die in Weißenburg sicherlich zentralörtliche Funktionen hatte.
Bei den Ausgrabungen im Kastellgelände (1890-1913) hat sich das engagierte Bürgertum große Verdienste erworben. Federführend tätig war hier der Weißenburger Altertumsverein. In weiser Voraussicht hat die Vereinsführung auch das Kastellareal 1914 an den Bezirk Mittelfranken übereignet. Ob dieses Misstrauen gegenüber einer Zerstörung oder Überbauung der 3,1 ha. großen Fläche begründet war, sei dahingestellt. In jedem Fall aber wurde die Anlage bei nachlassender Begeisterung und Unterhaltung durch bewusste Zerstörung oder Verschmutzung sowie durch natürliche Erosion der freigelegten Mauerreste immer unansehnlicher. So beschrieb Rudolf Pförtner 1959 in seinem Buch „Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit“ das Kastell als „... imposante Anlage die leider – teils Kartoffelacker, teils Rübenfeld, teils Unkrautplantage, teils Schuttabladeplatz – von den Stadtvätern abgebucht zu sein scheint.“
Nach der Rückgabe des Kastellareals an die Stadt Weißenburg 1966 erfolgte eine Konservierung und Neugestaltung der Anlage. Leider ging damit viel von deren Anschaulichkeit verloren, weil die bis dahin sichtbaren Ruinen von einer schützenden Erdschicht überdeckt wurden.
Einen zweiten Römer-Boom erlebte Weißenburg mit der Entdeckung der Römischen Thermen (1977) und des Römerschatzes (1979). Man erkannte die touristischen Möglichkeiten, auch wenn Kritiker die damit verbundenen Anstrengungen als „Römeritis“ abzutun suchten.
Bei der Entdeckung der römischen Badeanlage im Zuge von Bauarbeiten wurde die Entscheidung für deren Erhaltung gegen die Notwendigkeit der dort geplanten Reihenhäuser abgewogen. Es folgte eine umfassende Konservierung und Restaurierung der Anlage, die auf Grund ihrer Größe und ihres Erhaltungszustandes nicht nur in Fachkreisen schnell für Aufsehen sorgte. Nach einer architektonisch ansprechenden Überdachung und der Ausstattung mit Stegen, Erläuterungstafeln, Modellen etc. konnten die Römischen Thermen Weißenburg im Frühjahr 1985 der Öffentlichkeit übergeben werden.
Entscheidend für das Bild der Römerstadt Weißenburg, sowohl für ihre Einwohner wie Besucher, war aber die Entdeckung des Weißenburger Römerschatzes im Jahr 1979. Die einzigartige Qualität insbesondere der darin enthaltenen Statuetten und Votivtafeln weckte schnell das Interesse der überregionalen Medien und beflügelte die Phantasien von Schatzgräbern und Journalisten. Der aus 156 Teilen bestehende Versteckfund wurde vom Freistaat übernommen, blieb aber als Mittelpunkt des im Oktober 1983 eröffneten Römermuseums am Ort seiner Auffindung. Das eigens für diesen Zweck geschaffene Museum ist bis heute das erfolgreichste Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung.
Der Wandel vom Image der Reichsstadt zur Römerstadt wurde von weiteren Aktivitäten im Kastellbereich begleitet. Das nach wissenschaftlichen Untersuchungen rekonstruierte Nordtor ist sogar zu einem Markenzeichen für den bayerischen Limesabschnitt geworden. Es ist schon erstaunlich, denn obwohl es ja kein original erhaltenes Bauwerk aus der römischen Besatzungszeit ist, wird es gerne als Symbol dafür verwendet. So ziert es z.B. die Titelseite des erst jüngst (Juni 2008) im Pustet-Verlag erschienenen Werks „Der Römische Limes in Bayern. Geschichte und Schauplätze entlang des UNESCO-Welterbes“.
Mit der behutsam erfolgten Andeutung der Umfassungsmauern durch eine Aufmauerung auf die originalen Fundamente ist das Kastell in seinen Dimensionen für den Besucher wieder erkennbar geworden. Die zuletzt installierten Informationspulte lassen das Leben im römischen Weißenburg auch für die Besucher deutlicher werden.
Weißenburg auf